Der verrückte Mönch aus der WG-Küche

 

Lüneburg. Es war keine Schnapsidee, entstand auch nicht aus einer Bierlaune heraus, sondern im Seminar „Design Thinking“ der Lüneburger Universität. Dort trafen sich zwei junge Männer, die schon zu Jugendzeiten davon träumten, Unternehmer zu werden. „Ich wollte immer schon etwas Eigenes machen“, sagt Felix Körner (27), in Berlin geboren und in Heidelberg aufgewachsen. „Seit eineinhalb Jahren schreiben wir an der Uni nur noch Klausuren, investieren unsere Zeit in unser Projekt“, verrät Patrick Zimmermann (23), der bei Konstanz am Bodensee lebte. In einem Büro in der alten Crato-Villa in Lüneburg verwirklichen sie ihren Kindheitstraum jetzt mit einem selbst kreierten Getränk: „Madmonk“, der verrückte Mönch, ist ein Mix aus kalt gebrühtem Kaffee, Zi­trone und Tonic – eine der ersten Kaffee-Limonaden in Deutschland.

 

Der erhoffte Glückstreffer blieb zunächst noch aus

Die Grundidee entstand 2017 bei einem Start-up-Weekend in der Leuphana, bei dem auch ein Vertreter des Energy-Drink-Herstellers Red Bull dabei war. Zimmermann: „Ich wollte einen nachhaltigen Kaffee als Wachmacher entwickeln, verwarf den Gedanken aber schnell. Denn der würde im Handel 4 oder 5 Euro kosten. Das zahlt niemand für kalten Kaffee.“ Wenig später traf er auf Felix Körner, der erzählt: „Wir beide hatten die Nase voll von Energy Drinks und lernten Cold Brew, den kalt gebrühten Kaffee kennen.“ Die Basis war dem Duo klar: Es musste grob gemahlenes Arabica-Kaffeepulver sein, das 14 Stunden lang in kaltem Wasser zieht.

 

In der folgenden Zeit verwandelte sich die Küche in der WG von Felix Körner in ein Experimentierlabor, tage- und nächtelang mixten sie verschiedene Zutaten, bis sie schließlich ihr Kaffee-Limo-Rezept hatten. Das präsentierten sie einem Lebensmittelhersteller. Zimmermann: „Auf eigene Kosten bestellten wir 2000 Dosen für 4000 Euro. Die verschickten wir als Muster an Händler in ganz Deutschland, bekamen viel Lob – zum Beispiel bei einer Blindverkostung beim Deutschen Kaffeeverband in Hamburg. Wir hatten auf den lucky shot, den Glückstreffer, gehofft, einen Geschäftsabschluss aber gab es nicht.“

 

Schnell fanden sich Förderer

 

Die ersten Dosen hatten ein schwarz-weißes Design, trugen noch den Namen „Platon“, selbstkritisch sagt Körner: „Das war eher zum Einschlafen. Wir wollten aber den Wachmach-Charakter und die Harmonie zum Ausdruck bringen, kamen so auf ,Madmonk‘.“ Nun ist die Dose goldgelb, ein Mönchskopf ist in das Logo eingeflossen.

 

Schnell fanden sich Förderer. Zunächst stellte ihnen die Uni ein Büro zur Verfügung. Danach nahm sie die Wirtschaftsförderung Lüneburg in ihr Elevator-Programm auf, schon hatte das Duo in dem neuen Start-up-Zentrum Räumlichkeiten. Über die Wirtschaftsförderung und das Business Angel Netzwerk Niedersachsen der NBank, über das Privatinvestoren kleine und mittelständische Unternehmen fördern, lernten die Gründer schließlich einen Lüneburger kennen, der selbst mal klein angefangen hatte und eine große Karriere machte.

 

Für eine Massensproduktion brauchte das Duo einen Produzenten. Körner: „Unser Getränk bedarf eines Tunnelpasteurisierungsverfahrens, das in Deutschland kaum einer anbietet. Schließlich fanden wir in Österreich ein Unternehmen, das für uns abfüllt. Unser Lager haben wir bei Hamburg, dort lagern aktuell 70.000 befüllte Dosen.“ Die Erfinder sind stolz, sagen: „Jetzt geht‘s endlich richtig los.“ Denn Edeka hat Interesse bekundet, in drei Lüneburger und drei Hamburger Läden steht der verrückte Mönch bereits in den Regalen, die Dose für 1,79 Euro.

 

Duo hat die nächsten Ideen schon in petto

 

Darauf wollen sich die Studenten nicht ausruhen. „Wir wollen weitere Produkte entwickeln“, sagt Zimmermann: „Wir haben beispielsweise gemerkt, dass unser Getränk auch prima mit Rum schmeckt. Zusammen mit einem professionellen Barkeeper haben wir an einem Rezept getüftelt. Das Ergebnis kann dann in Lokalen angeboten werden.“

 

Ob der „Madmonk“ tatsächlich wachhaltende und wachmachende Wirkung hat, das können Lüneburger Studenten am Montag, 18. Februar, bei einer Verkostung in der Leuphana selbst mal austesten. Patrick Zimmermann kündigt an: „An dem Tag werden Klausuren geschrieben, um 14 Uhr beginnt die Pause – ideale Voraussetzung für einen solchen Test.“ So ein bisschen Betriebswirtschaftslehre studieren die beiden Jungunternehmer allerdings doch noch: Felix Körner macht seinen Bachelor in diesem, Patrick Zimmermann seinen im nächsten Jahr.

 

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